How to: Emergency Data Recovery

März 21st, 2010

Er ist mir tatsächlich passiert, der Supergau. Ich habe aus Versehen einen Ordner komplett gelöscht, und es war ein Ordner mit vielen, vielen Dokumenten - alle weg! Um es vorweg zu nehmen: Ich hatte Glück und hab alle meine Daten wieder bekommen. Für alle, die sich ebenfalls in dieser misslichen Lage wiederfinden sollten deshalb meine Tips:

  1. Nichts mehr anrühren! Nicht ausschalten, nichts speichern, nichts schreiben oder sonstwas machen!
  2. Sofort Joscha anrufen. (Ok, kleiner Scherz…)
  3. Data Rescue 3 kaufen! (kostet 99$, aber es lohnt sich!)

http://www.prosofteng.com/products/data_rescue.php


Data Rescue 3 hat tatsächlich den kompletten Ordner (und noch vieles mehr) wiederhergestellt. Es hat ein paar Stunden gedauert, dann war alles wieder da. Wahrscheinlich war es mein Glück, dass ich - wie oben erwähnt - sofort Joscha angerufen hab, der mir eindringlichst klar gemacht hat, dass ich jetzt nichts mehr speichern darf, damit auf der Festplatte nichts überschrieben wird. Wir waren trotzdem beide überrascht, wie gut es funktioniert.

Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass ich leider zuerst ein anderes Programm runtergeladen hatte, nämlich Boomerang. Boomerang kostet auch 99$, hat aber nichts gefunden.

Also gut, was habe ich aus dieser Erfahrung gelernt?

  1. Man muss immer (mindestens) ein Backup machen von allem, was wichig ist!
  2. Man muss immer (mindestens) ein Backup machen von allem, was wichig ist!
  3. Wenn die Katastrophe da ist: Data Rescue 3 is the way to go!

 


Hit Predictions und die schonungslose Wahrheit über deinen Musikgeschmack

März 6th, 2009

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Mike McCready ist kein Durchschnittstyp. Denn er hat ein Computerprogramm geschrieben, dass Musik nach diversen Kriterien analysiert. Zugegeben, soweit noch nicht besonders spannend, wahrscheinlich haben das schon einige vor ihm gemacht. Aber es gibt zwei Dinge, die seine Software auf dramatische Art und Weise herausragen lässt.
Der erste und spektakuläre Punkt dabei ist, dass seine Analyse zeigt, ob ein Song ein Hit werden kann oder nicht. Klingt unglaublich, scheint aber tatsächlich zu stimmen. McCready hat Millionen von Songs analysiert, Hits und “Nicht- Hits”, und nicht nur Pop/Rock hat er eingespeist in sein System, sondern auch z.B. klassische Musik und alles, was “als Musik betrachtet wird” wie er sagt. Dabei hat er herausgefunden, dass wir, die Zuhörer, bestimmte Elemente, bzw. Kombinationen von Elementen in der Musik wie Tempo, Tonart, Länge etc. unbewusst als besonders angenehm finden, und dass Songs die eine dieser Kombinationen besonders ausgeprägt aufweisen zu Hits werden können. Alle anderen Songs nicht! Damit ein Song ein Hit wird muss er allerdings immer noch den Massen zugänglich gemacht und entsprechend beworben werden. Und es ist auch nicht gesagt, dass die “Nicht- Hits” nicht tolle Songs sein können. Denn es ist ja nicht so, dass wir unsere Lieblingslieder danach aussuchen, welche die grössten Hits sind.
Und da sind wir beim zweiten Punkt. Denn durch die Analyse eines Songs ist es möglich, ihn anderen Songs mit den gleichen oder ähnlichen Elementkombinationen zuzuordnen. Und das, sagt McCready, ist der eigentliche Zweck seiner Software. Man kann sich leicht vorstellen, wie so ein Programm genutzt werden kann: wer dieses Album mag, dem gefällt wahrscheinlich auch dieses oder jenes. Das gibt es zwar jetzt schon bei Amazon, allerdings besteht die Empfehlung bei Amazon daraus, zu sagen: wer das gekauft hat, hat auch das gekauft. McCready aber behauptet, er kann mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, welche Musik eine ähnliche Wirkung auf den Zuhörer hat wie seine Lieblingsband.

Und jetzt kommt das, was ich besonders spannend finde: McCready sagt, dass es immer auch eine soziale Komponente dabei gibt, welche Musik wir gut finden und welche nicht. Soll heißen, jeder Song, jede Band, jeder Künstler steht für etwas, das nichts mit der Musik an sich zu tun hat. Der soziale Kontext. Ein echter Rocker darf nicht Britney Spears hören, sonst verliert er seine Credibility. Und als Jazzer kann man 3- Akkorde- Schrammel- Punk nicht wirklich ernst nehmen, wenn man in der Jazz Welt seine Glaubhaftigkeit behalten will. (Schon ein Wort wie Credibility in diesem Zusammenhang ist äußerst kritisch.) Und diese soziale Komponente kann McCready in seiner Software an- oder ausschalten. Wow! Was für eine Offenbarung! Man überlege sich nur, was passieren könnte, wenn man erfährt, was man tatsächlich alles gut findet. Wahrscheinlich kann man so eine Analyse nicht jedem so ohne weiteres empfehlen. Zu unvorhersehbar sind die Reaktionen, die das Ergebnis der Analyse hervorrufen kann. Jetzt kann aber erstmal aufgeatmet werden, denn das Programm ist nicht öffentlich zugänglich. Wenigstens nicht, dass ich wüsste.

Natürlich würde das aber auch nichts ändern. Denn diese soziale Komponente ist ziemlich stark. Ich wage zu behaupten, dass sie in vielen Fällen schwerer wiegt, als die musikalischen Komponenten. Rudi Carrell’s Hit “Wann wird es mal wieder richtig Sommer” z.B. heißt im Original “City of New Orleans” und ist ein Song von Willie Nelson. Unterschiedlicher können 2 Künstler nur schwer sein. Beziehungsweise, vielleicht sind sie gar nicht so unterschiedlich, aber das wofür sie stehen unterscheidet sich stark. Da ist auf der einen Seite die Country Legende, ein Hippie und Outlaw, und auf der anderen der Fernsehproduzent und Komiker. Dementsprechend sind die Reaktionen auf die beiden Songs sehr unterschiedlich, je nachdem wen man befragt. Man kann nicht davon ausgehen, dass die meisten Willie Nelson Fans auch den Rudi Carell Song gut finden, obwohl es doch eigentlich der gleiche Song ist.

Wer gern mehr erfahren will, schaut sich am besten dieses Video Interview mit Malcolm Gladwell und Mike McCready an (dauert bestimmt 20min oder mehr und der Player kann nicht angehalten werden, aber es lohnt sich.)

Seth Godin über die Musikindustrie

Februar 14th, 2009

Seth Godin hat in seinem Blog einen interessanten Beitrag über die derzeitige Situation der Musikindustrie geschrieben. Er gehört zu denen, die sagen, dass die Zeiten für Musiker nie besser waren als heute. Zu kompletten Beitrag geht es hier. Im folgenden ein kurzer Auschnitt:

The music industry is really focused on the ‘industry’ part and not so much on the ‘music’ part. This is the greatest moment in the history of music if your dream is to distribute as much music as possible to as many people as possible, or if your goal is to make it as easy as possible to become heard as a musician. There’s never been a time like this before. So if your focus is on music, it’s great. If your focus is on the industry part and the limos, the advances, the lawyers, polycarbonate and vinyl, it’s horrible.

Die Musiker und das Social Web

Februar 14th, 2009

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“Ich möchte mal einen trefffen, der auch nur eine CD über MySpace verkauft hat.” Oder “Das ist doch alles nur Zeitklau.” Solche oder ähnliche Sätze habe ich mittlerweile schon öfter im Gespräch über MySpace oder Facebook mit anderen Musikern gehört. Es scheint wenigstens in meinem Bekanntenkreis doch noch eine ziemlich große Skepsis, um nicht zu sagen Ablehnung, gegenüber den Social Networks zu geben. Ich glaube, dass das vor allem daran liegt, dass die meisten Skeptiker (und vielleicht auch manche Befürworter) noch nicht verstanden haben, wie sie ein Social Network für sich ausnutzen können.


Denn einfach nur ein MySpace Profil (oder Facebook, Xing, Twitter etc.) anzulegen mit dem Hinweis auf die neue CD oder das nächste Konzert und dann darauf zu warten, dass die Leute einem die Bude einrennen bringt natürlich nichts. Auch wahllos 10.000 Freunde zu sammeln und diie dann mit einem Newsletter zu bespammen kann man sich getrost sparen. Das fällt tatsächlich in die Kategorie Zeitklau. Manche betreiben auch ihre MySpace Seite gar nicht selber, sondern beauftragen jemanden damit. Und wenn das nicht jemand ist, der sich aus Begeisterung dieser Aufgabe widmet, dann ist das sinnlos. Social Networks sind vor allem ein Kommunikationsmedium, und interessant werden sie dann, wenn man sie genau dafür nutzt: um mit anderen in Kontakt zu treten. Man muß nur wissen, wen man erreichen will. Das können entweder Fans einer bestimmten Musikrichtung sein, oder auch Ansprechpartner in der Industrie, welche auch immer das sein mag (Film, TV, Werbung, Hörbuch etc.) Hat man die erst mal gefunden, ist die eigentliche Kontaktaufnahme leicht. Der auf diese Weise Angesprochene clickt dann als erstes das Profil an und sieht sofort, was Sache ist. Und wenn das, was er sieht, für ihn interessant ist, dann stehen die Chancen für einen Dialog gut! Deshalb ist es natürlich von essentieller Bedeutung, dass die Seite, auf die man verlinkt möglichst aussagekräftig und interessant ist. Der erste Eindruck ist ja bekanntlich entscheidend.


Natürlich darf man nicht erwarten, dass jeder Kontakt im Social Network eine verkaufte CD bedeutet. Auch nicht jede Antwort von einem Musikverleger hat den nächsten Auftrag zur Folge. Und da hat sich zu früher nichts geändert, das war schon immer so. Es ist ja nicht so, dass einem in der Pre- MySpace- Ära die Plattenverträge nur so nachgeschmissen wurden. Aber der Punkt ist:
Kontakt herzustellen zu potentiellen Fans oder Geschäftspartnern ist nicht schwer, man braucht dazu nur eins: Zeit. Zeit, um zu suchen, und Zeit, um sein Profil zu gestalten. Aber diese Zeit ist nicht verschwendet, sondern genutzt. Und jeder, der diese Zeit nicht aufwendet, hat einen deutlichen Nachteil gegenüber denen, die es tun. Und je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird der Vorsprung. Denn bei den Kontakten, die man online knüpft gilt das gleiche, wie bei denen, die man offline knüpft. Eine Beziehung aufzubauen braucht Zeit. Also fängt man besser gleich damit an.

Wer sich intensiver in das Thema eintauchen will, dem empfehle ich die Lektüre von Gerd Leonhard.

“Oh, the Things I Know” - Teil 2

Februar 3rd, 2009

Dies ist mein zweiter Beitrag aus der Reihe “Oh, the Things I Know”, in der ich Teile von Al Franken’s gleichnamigen Buch übersetze. Die folgende Passage schließt unmittelbar an den Abschnitt aus der ersten Folge an.

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Unter den zahlreichen Feldern, in denen ich erfolgreich bin, ist auch das des öffentlichen Redners. Jedes Jahr halte ich hunderte von Reden vor Firmen, Handelsgesellschaften und, mein Favorit, an Universitäten. Tatsächlich befinde ich mich in diesem Moment an Bord eines Flugzeugs und schreibe dieses Buch während einer „Verschnaufpause“ auf dem Weg nach Spokane, Washington, wo ich vor Studenten am Gonzaga College meine Standardrede „Gewinner werden nicht geboren, sie werden gemacht“ halten werde.

Aber ich war nicht immer so gefragt als Redner. Besonders nach einer Reihe von katastrophalen Reden, die ich in den frühen 80er Jahren gehalten habe. Das waren Fehler. Und ich habe aus ihnen gelernt.

Nehmen wir zum Beispiel die erste Rede, die ich jemals gehalten habe. Es war an der Technischen Universität von Hartford, wo ich in letzter Minute als Ersatz für Staatssekretär der Marine Warren Untermeyer engagiert wurde, der durch einen unvorhergesehenen Zwischenfall aufgehalten worden war. Lustige Geschichte. Die Nachricht, die meine Haushälterin mir gab veranlasste mich zu glauben, dass ich in Harvard, und nicht in Harford an der Technischen Universität sprechen würde. Bis das aufgeklärt und ich in Hartford angekommen war, aus New York via Cambridge, war ich so müde, enttäuscht und, offen gesagt, wütend auf die Absolventen, dass ich befürchte, meinen Gefühlen ein gewisses Mitspracherecht an der Entscheidung über die Art meiner Ansprache erlaubt zu haben. Ich nahm die Abschlussklasse der HTU dieses Jahres hart ran.

Ich begann mit einem Zitat von Goethe, dessen bekanntestes Werk Die Leiden des jungen Werther, von der Depression und letzlich vom Suizid eines besessenen Universitätsstudenten handelt. Hier also ist meine erste und zweit- erfolgloseste Rede.

 

Als man mir anbot, an der Technischen Universität von Hartford zu sprechen, packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Denn, wissen Sie, ich dachte man hätte mir angeboten in Harvard zu sprechen, was eine grosse Ehre gewesen wäre. Stattdessen stehe ich jetzt vor Ihnen, den zukünftigen Installateuren von Klimaanlagen der Nation. Lassen Sie uns versuchen, das Beste daraus zu machen.

Goethe sagte einmal “Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.” Nach Goethes Masstäben  sind die meisten von Ihnen bereits tot. Denn die meisten von Ihnen werden ein unnützes Leben führen. Du, Du und Du. (An dieser Stelle zeigte ich auf einige besonders unnütz aussehende Absolventen und dann auf einen Mann, der, wie ich später erfuhr, Dr. Jonas Salk war, Entdecker des Polioimpfstoffes, der anwesend war um die Ehrendoktorwürde zu erhalten und eine ernsthafte Rede zu halten, im Gegensatz zu meiner, wie man vermutete, humorvollen.)

Wenn Dr. Jonas Salk hier wäre, dann würde er Ihnen sagen, dass der Schlüssel zu einem sinvollen Leben darin liegt, das Unerwartete zu erwarten. (Jetzt fuhr ich fort, indem ich einige Anekdoten über die Entdeckung des Polioimpfstoffes erzählte, die Dr. Salk geplant hatte, selbst zu erzählen, und erweiterte so das Ausmaß des Disasters.)

Aber zurück zu Goethe, und bedenken Sie, dass ich diese Rede ursprünglich für Harvard Studenten geschrieben habe, sie wird also wahrscheinlich zu hoch für Sie sein.

 

Als die Buhrufe begannen wurde ich feindselig und offenkundig aggressiv und beendete meine Rede inmitten eines Sturms von Pfiffen und Wurfobjekten, indem ich den Absolventen und deren Angehörigen den Finger zeigte.
 

Lassen Sie uns einen Blick auf die Fehler werfen, die ich gemacht habe. Zuerst mal wäre da meine Haushälterin, die für das ganze Debakel verantwortlich war. Sie musste gehen. Zweitens, mit einer unerwarteten Situation konfrontiert (in Hartfort zu sprechen, anstatt in Harvard), beging ich eine Kurzschlusshandlung, anstatt zu versuchen, mich den Begebenheiten anzupassen, wie Dr. Jonas Salk es getan hätte. Aber habe ich aus meinen Fehglern gelernt? Ja und nein, aber hauptsächlich nein.

Welcher Teufel hat ihn denn da geritten?

Januar 29th, 2009

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Der Papst ex-exkommuniziert einen englischen Priester, der den Holocaust verleugnet und ausserdem behauptet: “I believe there were no gas chambers.” Für alle, die nicht so gut englisch sprechen: “Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gab.” 
Williamson gehört zur Priesterbrüderschaft Pius X. und wurde zusammen mit vier weiteren Priestern der Brüderschaft 1988 exkommuniziert. Nur um eine Annäherung mit den Anhängern der Brüderschaft Pius X. zu erreichen, so der Pressesprecher des Vatikans, sei die Exkommunikation jetzt wieder zurückgenommen worden. Aber hätte es dann nicht auch gereicht, die anderen drei wieder in die Kirche aufzunehmen? Schließlich distanziert sich sogar die Brüderschaft Pius X. selber von den Aussagen Williamsons.
Papst Benedikt hat jetzt reagiert und in seiner Generalaudienz den Holocaust ausdrücklich verurteilt und seine Solidarität zu den Juden erklärt. Direkt auf Williams Bezug genommen hat er aber nicht. Ist das etwa nicht widersprüchlich? Wie solidarisch mit den Juden kann einer sein, der einen klar antisemitischen Mann rehabilitiert?

“Oh, the Things I know”

Januar 20th, 2009

Ich bin ein grosser Fan von Al Franken, einem amerikanischen Satiriker und mittlerweile auch Politiker, der bekannt wurde als einer der Mitbegründer der legendären Saturday Night Live Show. Neben seiner Arbeit im Fernsehen hat er zahlreiche Bücher geschrieben und sein politisches Engagement führte schließlich im November 2008 zu seiner Wahl zum Senator des US Bundesstaats Minnesota.
In den USA eine feste Grösse kennt ihn hierzulande kaum jemand. Da überrascht es auch nicht, dass seine Bücher nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Deshalb habe ich das jetzt selbst in die Hand genommen. Hier also meine Übersetzung eines Auschnitts aus dem ersten Kapitel von “Oh, the Things I Know”, einem seiner nicht politischen Bücher. Das Kapitel trägt den Titel “Oh, the Mistakes You’ll Keep Repeating”.

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Lassen sie mich gleich zu Anfang einige Missverständnisse darüber aufklären, wer einen Ratgeber schreiben sollte und wer nicht. Es bringt zum Beispiel nichts, den Rat eines hoffnungslosen Versagers einzuholen. Die Lebenserfahrung eines hoffnungslosen Versagers beschränkt sich auf einen einzigen Modus, den Hoffnungslosen-Versager-Modus, und deshalb kann er nur Negativratschläge geben:”Mach’s nicht wie ich”. “Tu dies nicht.” “Tu das nicht.” Und ganz egal was hoffnungslose Versager behaupten, im Leben geht es viel mehr darum, zu entscheiden, was man tun sollte, als darum, was man nicht tun sollte.
Andererseits haben aber auch Supererfolgreiche nur wenig zu bieten, wenn es darum geht, ganz normalen Menschen einen praktischen Rat zu geben. Weil sie so supererfolgreich sind, sind sie so weit weg von dem, womit wir Normalsterblichen uns herumschlagen und ihr Ratschlag bezieht sich auf derart abgehobene Angelegenheiten, dass er nur für andere Supererfolgreiche interessant ist. Wer zum Beispiel würde nicht gern wissen, wie man den entscheidenden Fragen der Inneneinrichtung eines Privatjets begegnet. Ich erinnere mich, 1 1/2 Tage damit verschwendet zu haben, Paul Allens “Sollten die Sitze zueinenander oder nach vorn gerichtet sein?” zu lesen. (Die Antwort ist übrigens, dass es Drehsitze sein sollten, die für Start und Landung festgestellt werden können.)
Nein, der ideale Autor für einen Ratgeber ist jemand wie ich. Denn ich bin sehr erfolgreich aber fliege immer noch Linie - wenn auch erste Klasse - vom gemeinen Volk nur durch einen dünnen Vorhang getrennt. Ich weiß, wie es ist, zu kämpfen, oder kann mich wenigstens noch dunkel erinnern. Als erfolgreicher Mann muss ich jeden Tag Entscheidungen treffen und praktische Ratschläge in die Tat umsetzen. Ratschläge, die ich gedenke, an Sie weiter zu geben. Und trotzdem bin ich nicht so ungeheuer erfolgreich, dass ich nicht die Zeit hätte, dieses Buch zu schreiben. Oder es zumindest zu diktieren.
Manche Leser könnten meinen, dass, weil ich so erfolgreich bin, ich noch nie einen Fehler gemacht habe. Wenn Sie zu diesen Leuten gehören, dann sollten Sie jetzt aufhören, zu lesen, denn offen gesagt, Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Sogar die erfolgreichsten Menschen machen Fehler, und manche haben sogar aus ihnen gelernt.
Die meisten Menschen würden zum Beispiel den Gründer von Microsoft, Bill Gates, für erfolgreich halten. Und wenn man Erfolg mit Wohlstand, Macht und einem ausgeglichenen, glücklichen Leben gleichsetzt, und damit, eine Rolle als Philanthropist und hochangesehener Denker in der Gesellschaft auszufüllen, dann würde ich sagen, ja, Bill Gates ist erfolgreich. Aber lassen Sie uns darüber jetzt nicht diskutieren.


Manchmal wär ich gern…

Januar 9th, 2009





… ein Amerikaner, denn die haben so eine schöne Art, Sachen auszudrücken. So kurz und prägnant, ganz ohne Umschweife. “No-brainer” ist so ein Ausdruck. That’s a no-brainer! Was für ein Satz. Da ist alles gesagt, und es hat nicht mal zwei Sekunden gedauert. Übersetzt bedeutet das so viel wie “Das ist ganz klar, da muss man nicht lange drüber nachdenken”. Die Aussage ist die gleiche, aber verglichen mit “That’s a no-brainer” kommt das ganz schön ungelenk daher. Man könnte versuchen etwas zu sagen wie “Keine Frage!” oder “Aber hallo!”, aber verglichen mit “That’s a no-brainer” bleibt das unbefriedigend. Auch wenn man versteht, was gemeint ist - es bringt die Sache einfach nicht auf den Punkt.

Es hilft alles nichts, ich muss mich damit abfinden: dieser Ausdruck bleibt mir verwehrt, solange ich mich weiter der deutschen Sprache bediene. Vielleicht fällt mir ja doch noch was ein. Und bis dahin kann ich’s immerhin machen wie die Schwaben. Die treffen es noch am besten, wenn sie sagen: “Brauch’mer nix schwätze!”

Neulich im Buchladen

Januar 3rd, 2009

obersyrien.JPGohne Worte…

Qualität?

Januar 1st, 2009

Qualität ist wichtig, keine Frage. Ich sage das aus meiner Erfahrung als (selbständiger) Musiker, bin aber der Meinung, dass das genauso gut für Bäcker oder Klempner oder sonstwen gilt - wer seine Sache nicht gut macht wird sich auf Dauer nicht behaupten können. Deshalb ist es wichtig, so gut wie möglich zu werden (oder noch ein bißchen besser). Aber das allein nützt leider noch nichts. Denn Qualität ist nicht der entscheidende Faktor, sondern lediglich die Voraussetzung. Eigentlich zwar logisch, wird aber trotzdem oft übersehen: Wer etwas zu bieten hat, muss auch dafür sorgen, dass das bekannt wird.

Derjenige, der das verstanden hat, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz. Wer qualitativ ein wenig hinter seinen Konkurrenten zurückbleibt, sich aber besser verkauft, wird mehr Erfolg haben als ein Überflieger, der sich nicht gut verkauft. Man kann zwar darüber diskutieren, ob oder wie schlimm das ist, aber dass das so ist, dafür gibt es wohl genügend Beispiele. Ob man einen Job (oder einen Kunden, oder einen Auftrag) bekommt, darüber entscheidet nicht die Qualität. Die Qualität ist nur die Voraussetzung, entscheidend sind andere Faktoren.

Qualität heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass man herausragend sein muss. Es heißt vor allem, dass man den Job machen kann. Und dass können in den meisten Fällen nicht nur die, die besonders gut sind, sondern eben auch die, die “nur” gut sind. Wahrscheinlich können das sogar oft auch die, die nur mittelmäßig sind. Sicher, das ist nicht immer so, aber doch ziemlich oft. Wie gesagt, ich spreche aus meiner Erfahrung als Musiker. Ich bin aber überzeugt, dass das für viele andere Branchen auch gilt.

Natürlich würden die besonders Guten aber einen besseren Job machen, nur kommt es darauf anscheinend nicht immer unbedingt an. Wie kann man es also hinkriegen, dass mehr von denen, die wirklich was auf dem Kasten haben auch die Jobs (oder Kunden, oder Aufträge) an Land ziehen? Was sind die entscheidenden Faktoren? Was muss man tun? Oder wie muss man es tun?